Fortbildung des Aufsichtsrats in Zeiten der Digitalisierung

Autoren: Peter J. Greß und Michael Kurzeja.

Die Digitalisierung nimmt Einfluss auf all unsere Lebensbereiche, auch auf den der Fortbildung. Immer mehr Unternehmen setzen in der Weiterbildung auf digitales Lernen. Zugleich erhöht die Digitalisierung aber auch den Bedarf an Weiterbildung. Wollen Sie Ihrer Aufgabe als Topführungskraft, Beirat oder Aufsichtsrat künftig inhaltlich und zeitlich gerecht werden, ist heutzutage mehr als nur Kontrolle gefordert.


Kulturwandel – moderne Unter­nehmensführung und Weiterbildung gefragt

Während bei den Geschäftsführern und Vorständen heute noch die geburtenstarken Jahrgänge dominie­ren, trifft man auf der Gesellschafterseite die »Gene­ration Y« an – eine gut und oft international ausgebil­dete und selbstbewusste Eigentümergeneration. Sie vertreten ihre eigenen Werte und verändern bewusst das Erbe ihrer Vorväter.

Es reicht heute nicht mehr, sich auf Autorität, Erfahrung oder einen Schulterschluss mit der Unternehmenslei­tung zu verlassen, sondern es bedarf vielmehr, kon­struktiv und modern mit einem Aufsichtsgremium zu arbeiten. Nun stellt sich die Frage, wie wird man all­ dem gerecht? Wie sieht nun heutzutage die optimale Fort-­ und Weiterbildung aus?

Als Initiator einer Aufsichtsratsstudie 2017/18 mit der Hochschule Landshut beschäftigte sich die Akademie für Beiräte und Aufsichtsräte GmbH aus München mit der Frage: »Was sind die Kriterien einer Weiterbildung und Qualifizierung von Aufsichtsräten der deutschen Wirtschaft und von deren veränderten Ansprüchen?« Daraus wird deutlich, dass komplexer werdende Auf­gaben für Führungskräfte, Aufsichts­, Verwaltungs­ und Beiräte konstant mit verschärften Anforderungs­profilen einhergehen und die geforderte Qualität der Manager steigen muss.

Aufsichtsratsstudie 2017/18

Die Presse ist voll mit Beispielen zu Abweichungen vom Deutschen Coperate Governance Kodex. Dieser wurde dieser Tage nur zaghaft an die veränderten Anforderungen von heute angepasst.

D.12 Die Gesellschaft soll die Mitglieder des Aufsichtsrats bei ihrer Amtseinführung sowie den Aus- und Fortbildungsmaßnahmen angemessen unterstützen und über durchgeführte Maßnahmen im Bericht des Aufsichtsrats berichten.

Deutscher Corporate Governance Kodex, Juni 2019

Die Investoren werden nun diesen veränderten Punkt in ihre Richt­linien aufnehmen; das heißt, bei fehlender Berichterstattung den Aufsichtsrat nicht entlasten. Eine Verpflichtung zum Nachweis einer umfassenden Qualifizierung als Aufsichtsrat ist längst überfällig – am besten ein Zertifikat.

Kurz gesagt, die Forderung nach der Professionalisierung der genann­ten Zielgruppen ist daher unübersehbar. Sie sollen Chancen und Risi­ken erkennen, kompetente Entscheidungen treffen, deren Realisa­tion begleiten und kontrollieren. Sie übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft und Ihr Unternehmen. Gesetzlichen, ethischen und unternehmensinternen Grundsätzen und öffentlichen Ansprüchen soll funktionserfüllend Rechnung getragen werden.

Flexibilität – Integration des Wissens in den Manageralltag mit Blended Learning

Die Vorteile der digitalen Weiterbildung liegen auf der Hand: Führungskräfte und Mitarbeiter können Lern­inhalte individuell zusammenstellen und schnell an ihren Bedarf anpassen. Vor allem aber können sie die Inhalte zeitlich und räumlich flexibel abrufen. Der größte Vorteil des digitalen Lernens ist, dass es sich leicht in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Mediengestütztes Lernen kann individuell auf den Weiterbildungsbedarf auch in den Topetagen der Unternehmen reagieren.

Doch die Digitalisierung erleichtert das Lernen nicht nur – sie steigert auch den Wissensbedarf. Denn durch die Umstellung von Arbeitsabläufen und Herstellungs­ verfahren in den Firmen entstehen neue Tätigkeiten, für die die Beschäftigten qualifiziert werden müssen. Vor allem IT­-Kenntnisse sowie Kompetenzen in Berei­chen wie: Governance, Strategie, Digitalisierung, Haf­tung, Change, Compliance und rechtliche Neuerungen sind wichtige Lerninhalte. Digitalisierte Unternehmen investieren deshalb mehr Zeit und Geld in die Weiter­ bildung ihrer Mitarbeiter als andere Betriebe.

Steigender Weiterbildungsbedarf und neue Möglich­keiten der Wissensvermittlung wirken zusammen. Sowohl reine Präsenz­ als auch reine Onlineveranstal­tungen bringen spezifische Probleme mit sich: Als Top­ Führungskraft, Beirat oder Aufsichtsrat ist es schwer, sich eine Woche für eine Weiterbildung freizunehmen. Die Terminkalender werden immer voller, Zeit bleibt da kaum noch. Problemfelder reiner Onlineveranstaltun­gen sind u. a. das Selbst­- und Zeitmanagement sowie der so wichtige fehlende persönliche Kontakt und der fehlende soziale Austausch. Doch Manager haben oft ein persönliches Problem mit der eigenen Weiterbil­dung: verfügbare Zeit und den Mut, zuzugeben, dass es dringend an der Zeit wäre, sich zu qualifizieren.

Die Lösung ist die Kombination aus Präsenz­ und Onlineangeboten, Blended Learning genannt. Dies ermöglicht, die Vorteile der jeweiligen Settings und Methoden zu nutzen bzw. deren Nachteile zu vermei­den. Werden die Lerninhalte digital vermittelt (mittels Videoaufzeichnungen, Folien, Podcasts o. Ä.), hat man die Möglichkeit, diese flexibel und den eigenen Bedürf­nissen entsprechend abzurufen – wann und wie oft man möchte. In den Präsenzveranstaltungen werden dann die Interaktion und der Austausch zwischen den Teilnehmern und den Referenten in den Mittelpunkt gestellt.

Blended Learning Konzept

So wird die Online­- mit der Offlinewelt kompakt und professionell kombiniert. Denn bei aller Digitalisierung zählen nach wie vor der Mensch und der so notwen­dige vertrauensvolle Austausch in exklusiver und ent­spannter Atmosphäre unter »Gleichen«.

Corporate Governance auf der Höhe der Zeit!

Das regulatorische Umfeld, die Anforderungen der Aufsicht, der Druck des Wettbewerbs und allem voran das berechtigte Interesse der Anteilseigner an einer verantwortungsvollen Unternehmensfüh­rung lassen die Arbeit der Aufsichtsräte in deutschen Unternehmen immer anspruchsvoller werden.

Aus-­ und Fortbildung, wie sie die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex fordert, ist mehr als eine bloße Not­wendigkeit. Sie ist auch eine Chance für den Aufsichtsrat und für das Unternehmen. Es liegt also im Interesse von Unternehmen und Kapitaleignern gleichermaßen, die Qualität der Aufsichtsratsarbeit zu stärken.

Vor allem steigt das Risiko der Fahrlässigkeit und die damit verbun­dene persönliche Haftung, falls unzureichendes Wissen im mittleren und oberen Führungskreis zu unternehmerischen Fehlentscheidun­gen führt. Eine professionelle Absicherung in allen Führungsebenen durch gezielte Weiterbildung unterliegt der Verantwortung der Unter­nehmenslenker. Diese haben daher die Pflicht, diese Durchgängig­ keit an Qualifikation und Wissen in Unternehmensstrukturen sicher­ zustellen.

Aufsichtsratsstudie 2017/18

Professionelle Weiterbildungsinstitute haben sich der Aufgabe verschrieben, Topführungskräfte, Aufsichts­räte und Beiräte auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vor­ zubereiten und zu qualifizieren.

Ziel ist es, den Mut zu wecken, die richtigen Fragen zu stellen und kritische Themen im Sinne des Unterneh­mens erfolgreich voranzutreiben. Die Deutsche Börse AG hat wenige, ausgesuchte und zertifizierte Partner, die passende Qualifikationsseminare zur Vorbereitung auf eine Prüfung in Eschborn anbieten. Bei Bestehen erhält man ein Zertifikat der Deutsche Börse Aktien­gesellschaft und bietet damit einen deutlichen Mehrwert in der Besetzungsfrage.